Windradschrott…wohin

WELT - Die kriminellen Machenschaften mit dem Windrat-Schrott - 26.03.2026

Anklage gegen Windrad-Unternehmer: Michael Roth galt lange als Pionier der für die Energiewende essenziellen Branche – doch offenbar entsorgte er Anlagenschrott illegal in Tschechien. Sein Fall wirft ein Schlaglicht auf ein gewaltiges ungelöstes Problem.

Wohin mit ausgedienten Windrädern? Das Problem ist massiv: Die Anlagen sind nach gut 20 Jahren in der Regel schrottreif. In Deutschland sind derzeit rund 30.000 Windräder installiert. Ein Drittel davon, also etwa 10.000 Stück, sind zehn Jahre oder älter und müssen sukzessive abgebaut werden. Das kostet nach Schätzung von Greenpeace 160.000 bis 350.000 Euro pro Windrad, nach anderen Schätzungen eine halbe Million. Also sucht die Branche nach Lösungen – unter Druck, mit staatlicher Förderung, aber womöglich nicht immer gesetzeskonform.

In Weiden in der Oberpfalz hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage gegen einen Entsorgungsunternehmer erhoben, dessen Firma jahrelang als  Branchenhoffnung galt: die inzwischen aufgelöste Roth International. Deren Gründer Michael Roth sitzt seit vergangenem August in Untersuchungshaft. Ein Mitarbeiter ist ebenfalls angeklagt, dessen Haftbefehl ist derzeit außer Vollzug gesetzt. 

Die Staatsanwaltschaft Weiden teilte auf WELT-Anfrage mit, den beiden werde „illegale Verbringung von nicht gefährlichem Abfall und illegale Verbringung von gefährlichen Abfällen“ vorgeworfen und damit Verstöße gegen das deutsche Abfallgesetz und gegen eine EU-Verordnung.

Roth soll außerdem dafür verantwortlich sein, dass es „in einer Ablage, in welcher Batterien ökologisch sauber getrennt werden sollten, zu einer  Kontamination und zu Gesundheitsschäden von Mitarbeitern gekommen“ sei. Er habe davon gewusst und die Anlage trotzdem nicht abschalten lassen, was die Anklagebehörde als „Körperverletzung durch Unterlassen“ wertet.

Roths Verteidigerin wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Das Gericht hat über die Zulassung der Anklage noch nicht entschieden. Verhandlungstermine  stehen noch nicht fest.

Ein Großteil der Vorwürfe der Anklage gegen Roth und seinen Mitarbeiter ist schon länger bekannt. Seit 2022 sollen sie mindestens 700 Tonnen Windrad-Schrott überwiegend nach Tschechien gebracht und dort einfach abgeladen haben. Die Abladeplätze soll Roths Mitarbeiter ausgekundschaftet haben, er ist tschechischer Staatsbürger.

Einer der Plätze befand sich vor der Ortschaft Jirikow (Georgswalde), 20 Kilometer südlich der sächsischen Stadt Bautzen. Einwohner hatten sich über die
anwachsende Müllhalde beschwert. Bürgermeisterin Barbara Siskowa stoppte das Treiben auf die handfeste Tour, indem sie sich mit ihrem Auto in den Weg stellte, als wieder Lkw aus Deutschland anrollten. Auf ihre Anzeige ermittelten zuerst die tschechischen Behörden, die dann ihre deutschen Kollegen einschalteten.

Öffentlich bisher nicht bekannt ist, dass Roth seine Abfälle auch nach Polen brachte. Das geht jetzt aus der Nachricht der Staatsanwaltschaft hervor.

Er galt lange Zeit als Pionier

In der Windkraft-Branche galt Roth über viele Jahre als Pionier. Sein Unternehmen gründete er schon im Jahr 2013, wie aus Handelsregisterauszügen hervorgeht, die WELT über das Portal Northdata einsehen konnte. Vorübergehend versuchte er auch, eigene Windkraftanlagen zu entwickeln. Die Firma, die er dafür gründete, erzielte aber nie nennenswerte Umsätze.

Auch das Geschäft mit dem Windrad-Schrott brachte ihm nur in wenigen Jahren Gewinn und verlief äußerst sprunghaft. Drei Jahre nach der Gründung verbuchte er einen Gewinn von gut 100.000 Euro, im Jahr darauf nur noch 12.221 Euro. Sein bestes Jahr war demnach 2019 mit einem Gewinn von 346.000 Euro, gefolgt von einem Absturz mit Verlust und dann wieder leichter Erholung.

Seine Pläne waren ambitioniert. Ein Fachportal schrieb, er habe mit einem Fraunhofer-Institut neue Verfahren für die Entsorgung von CFK- und  GFK-Verbundstoffen entwickelt. Diese Materialien, aus denen die Rotoren der Windräder hergestellt werden, gelten als besonders schwer recycelbar. Am Firmensitz in Schwandorf, ebenfalls in der bayerischen Oberpfalz, errichtete er eine mit 5000 Quadratmetern gewaltige Halle. Dort habe er laut Fachmedien ausgediente Lithium-Ionen-Batterien für die Entsorgung vorbereiten wollen.

Als Roth dann 2022 damit begann, Windrad-Schrott mutmaßlich illegal ins Ausland zu bringen, könnte das ein Verzweiflungsakt gewesen sein, um irgendwie über die Runden zu kommen. Zwar war das auch das Jahr, in dem seine Bilanz mit 19 Millionen Euro einen einsamen Spitzen-Umsatz auswies bei aber schon wieder sinkendem Gewinn – 257.812 Euro und damit rund 20.000 Euro weniger als im Vorjahr.

Der Umsatzsprung fällt zeitlich auch mit einer Finanzspritze des Freistaats Bayern zusammen. Die beim bayerischen Wirtschaftsministerium angesiedelte staatliche Beteiligungsgesellschaft BayBG überwies ihm Geld für eine stille Beteiligung an seiner Firma. Über die Höhe halten BayBG und Ministerium Stillschweigen. Wie Roth an die stille Beteiligung kam, war ebenfalls auf Nachfrage nicht in Erfahrung zu bringen. Wenn das Gericht in Weiden über den Fall öffentlich verhandelt, dürften der Betrag und die Umstände allerdings bekanntwerden.

Öffentliches Geld gab es dann noch einmal im Jahr darauf, als Roth seine Lkw mit Windrad-Schrott schon ins Ausland geschickt haben soll und sein legales Geschäftsmodell nicht mehr funktionierte. Da bekam er 2,1 Millionen Euro Zuschuss von der Bezirksregierung Oberpfalz.

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