Luisa Neubauer sieht es ja nicht gerne, wenn "gemeiner Bürger" seine Meinung äußert und über seinen Heizungskeller am allerliebsten selbst entscheiden möchte. Der nachfolgende Bericht ist ein Lehrbeispiel des Lobbyismus und wie sich eine bestimmte Kaste sich instrumentalisieren lässt. Es sei auf die letzten Beiträge hingewiesen. Die Tatsache, dass diverse Szenarien als nicht haltbar, oder besser gesagt vorsätzlich als falsch in die Welt gesetzten Klima-Szenarien mehr oder weniger zurückgezogen wurden, scheint Luisa Neubauer nicht zu scheren.
"Jede fossile Heizung ist eine Katastrophe"
Eine Diskussionsrunde mit Regierungsvertretern, Experten und der Klimaaktivistin Neubauer in Berlin zeigt: Energiewende-Anhänger trauen den Bürgern offenbar keine rationalen Entscheidungen zu. Die Heizungskeller bleiben Austragungsort für eine sehr deutsche Debatten.
Die Bundesregierung hat einen Entwurf für ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz (GmodG) vorgelegt (https://www.welt.de/finanzen/plus69fa2d59c513b419ddbd032c/habecks-heizgesetzist-geschichte-darauf-muessen-eigentuemer-jetzt-achten.html) . Darin werden umstrittene Regeln für den Heizungseinbau abgeschafft. Manche Reaktionen darauf fallen so heftig aus, dass man meinen könnte, deutsche Verbraucher stünden vordem Bankrott und das Klimasystem vor dem Kollaps. Mit ihrem Heizungsgesetz hat die damalige Ampel-Regierung aus der Entscheidung für oder gegen bestimmte Wärmeerzeuger einen Glaubenskrieg gemacht. Und mit welcher Hybris die deutsche Debatte mitunter geführt wird, zeigte beispielhaft eine Podiumsdiskussion beim Jahrestreffen des GIH‑Bundesverbands der „Energieberatenden“ am Donnerstag in Berlin. Von Regierungsseite auf der Bühne: Stephanie von Ahlefeldt, CDU-nahe Abteilungsleiterin im Wirtschaftsministerium, und Olaf Joachim, Staatssekretär im Bauministerium. „Ein Kulturkampf wurde ausgerufen“, fasste Joachim die vergangenen drei Jahre Heizungsdiskussion zusammen.
"Danke für nichst", sagt Neubauer
Auf der Gegenseite: Julia Verlinden, Vizechefin der Grünen-Bundestagsfraktion. Und Klimaaktivistin Luisa Neubauer, der das Publikum einen derart begeisterten Empfang bereitete, dass schnell klar wurde, auf welcher Seite es steht. „Wenn wir auf null Emissionen kommen wollen, ist jede einzelne fossile Heizung eine Katastrophe“, sagte sie, und an die Adresse der Regierungsvertreter: „Danke für nichts“ – bestätigt von lautem Applaus.
Die mehr als 200 anwesenden Energieberater und insgesamt rund 5500 GIH-Mitglieder sind zumindest teilweise abhängig von gewissen Finanzströmen. Sie empfehlen in der Regel möglichst hohe Effizienzniveaus („Die beste Energie ist die, die man gar nicht erst verbraucht“).
In möglicherweise nicht ganz beabsichtigter Offenheit hatte GIH-Vorsitzender Stefan Boll zum Kongressauftakt der bundeseigenen Informationsagentur Dena dafür gedankt, dass sie dafür sorge, „Fördergelder von A nach B zu schieben“, so dass diese „am Ende bei den Richtigen ankommen“. Nämlich bei den Beratern, die von einem komplexen Gesetz profitieren, das den Umbau möglichst vieler Wärmesysteme zur Pflicht macht. Die Dena soll bei der Aufklärung über die Energiewende helfen. Innerhalb weniger Jahre wuchs die Zahl der Mitarbeiter von100 auf 700.
„Hier im Saal haben viele eine Präferenz dafür, dass man Dinge vorschreibt“, stellte von Ahlefeldt unerschrocken fest, „jedenfalls im Heizungskeller. Beim Auto dagegen scheint akzeptiert zu sein, dass sich die Bürger noch einen Verbrenner kaufen. “Empörter Protest im Publikum. Die Expertin aus dem Ministerium akzeptierte früh, dass sie auf verlorenem Posten kämpfte.
Das Publikum überführte sich allerdings selbst mit erneut ungläubigen Protestrufen, als die Regierungsmitarbeiterin schlicht feststellte: „Ich bin mir sicher, dass wir einen Hochlauf der Wärmepumpe sehen werden.“ Genau das scheint man dem von der Heizungsgesetz-Leine gelassenen Bürger nicht zuzutrauen.
Im Wesentlichen fällt im neuen GModG die Vorschrift weg, dass neu eingebaute Heizungen zu 65 Prozent mit grüner Energie laufen sollen. Außerdem werden Betriebsverbote für besonders alte Heizungen gestrichen(https://www.welt.de/finanzen/plus69fa2d59c513b419ddbd032c/habecks-heizgesetzist-geschichte-darauf-muessen-eigentuemer-jetzt-achten.html) . Dass sich eine Mehrheit der Eigenheimbesitzer längst trotzdem für Wärmepumpen entscheidet, auch ohne ein entsprechendes Gesetz (die 65-Prozent-Regel galt zu keinem Zeitpunkt verbindlich), fällt in der Diskussion immer wieder unter den Tisch.
Vielmehr wird der unkontrollierte Heizungsinhaber zur Gefahr für den Planeten, glaubt man Neubauer: „2045 wird es hier brennen. Die Klimamodelle sind klar: Wir sind auf einem katastrophalen Pfad, die atlantischen Strömungsmodelle werden kollabieren.“ Das abgeschwächte Heizungsgesetz werde „Chaos und Kosten produzieren“.
Iran-Krieg und Ukraine-Krieg lassen in der Tat erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit der Lieferwege fossiler Energieträger aufkommen. Dass aber auch die Strompreise mit Ansage steigen werden, angesichts zunehmender Netzunsicherheiten in Deutschland, möchte niemand zur Sprache bringen. Und dass es auch Wärmepumpen gibt, die ungeschickt und falsch dimensioniert eingebaut werden und hohe Betriebskosten verursachen, erst recht nicht.
"Welche Heizung bauen Sie dann ein?"
Stattdessen arbeitet man sich eineinhalb Stunden lang an einem Gesetz ab, konkret an zwei Paragrafen. Deutscher kann eine Diskussion nicht sein.
„Die Klimaziele sind mit dem Entwurf nicht möglich zu erreichen“, sagte Grünen-Politikerin Verlinden. „Man kann auch klimaneutral mit grünem Gas werden“, konterte von Ahlefeldt unter Bezug auf die neue „Biotreppe“, die alle Brennstoffkunden in den kommenden Jahren schrittweise zu höheren Öko-Anteilen zwingen soll.
Und sie stellte eine einfache Frage, auf die sie den Rest des Abends von den Energie-Experten keine Antwort erhalten sollte: „Wenn im Winter Ihre Gasheizung ausfällt und im Mehrfamilienhaus auf die Schnelle kein Platz für eine Wärmepumpe ist –welche Heizung bauen Sie dann ein?“
Von Fernwärme (https://www.welt.de/themen/fernwaerme/) war dann auch noch die Rede, doch die Diskussion wird schnell mal konfus, auch bei den Experten selbst. „Werden mit dem neuen Gesetz und der 65-Prozent-Regel für Mieter mehr oder weniger Wärmepumpen eingebaut?“, lautete eine Smartphone-Publikumsfrage, die somit gleich mehrere Dinge durcheinanderwarf: Eine solche Regel gibt es nämlich nicht. Mieter sollen zwar einen Teil ihrer fossilen Heizkosten an Vermieter abgeben können, um Vermieter zu Wärmepumpen-Installationen zu bewegen (deren Kosten wiederum auf die Miete umgelegt werden können). Trotzdem war sich das Publikum in großen Teilen gefühlt sicher: Es werden weniger Wärmepumpen sein. Evidenz dafür: fehlte.
Insofern lag Luisa Neubauer dann auch richtig, als sie sich zunehmend darauf fokussierte, vom Gesetzgeber klare Lösungen einzufordern. „Verwirrung und Kulturkampf sind nicht vom Himmel gefallen“, sagte sie. „Die Leute wissen nicht, wie ihre Gefühle zur Wärmepumpe aufgestellt sind, und da hätte die Regierung die Aufgabe, für Klarheit zu sorgen.“ Stattdessen „reitet die Regierung die Leute in Fehlkäufe und Fehlentscheidungen.
“Staatssekretär Joachim indes hält diese „Leute“ offenbar für nicht ganz so verwirrt. „Es wird jetzt nicht jeder sofort eine Gasheizung einbauen, der nicht bei drei auf dem Baum ist“, sagt er. „Wer die Möglichkeit hat, wird auf Dämmung und Elektrik setzen.“ Erneut ungläubige Reaktionen.
Zwischenzeitlich verlor von Ahlefeldt die Geduld: „Wir sind hier in einer Bubble und die trifft sich nicht mit der Durchschnittsbevölkerung.“ Johlende Buhrufe.
Was man denn nun tun könnte, um die Debatte auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, fragten die Moderatoren, die gleich zu zweit angetreten waren. Während Neubauer am liebsten „Söder als Wärmepumpe verkleidet“ durchs Land schicken würde, Ahlefeldt vor immer neuen Vorschriften warnte und eine Evaluierung des neuen Gesetzes ankündigte, hoffte Mitdiskutant Alexis Gula, Präsident des Bundesverbands des Schornsteinfegerhandwerks, dass seine Leute „die Kunden jetzt mitnehmen“ könnten.
Glaubt man seinen Berichten, scheinen sich in deutschen Heizungskellern in den vergangenen Monaten groteske Szenen abgespielt zu haben: „Die Menschen haben Angst.“ Vor einer neuen Heizung? Vor der „fossilen Abhängigkeit“ (O-Ton Neubauer)? Oder vielleicht auch vor einem außer Kontrolle geratenen Gesetzgeber?„So kleinteilig wie wir in den Vorschriften ist kein einziges Land“, gab Ahlefeldt zu.
Denn es bleibt kompliziert, auch mit „Biotreppe“, Vermieter-Kostenbeteiligung und neuen Referenz-Gebäudewerten. „Es ist keine prickelnde Aussicht, jetzt gerade jung zu sein, just saying“, fand Neubauer. Schornsteinfeger oder Energieberater zu sein, allerdings wohl auch nicht. Und Heizungsbesitzer erst recht nicht.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcentrum von WELT und Business Insider erstellt.
Michael Fabricius (https://www.welt.de/autor/michael-fabricius/) beschäftigt sich im Wirtschaftskompetenzcentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ mit Immobilienthemen und schreibt über alles, was Eigentümer, Mieter und Investorenbetrifft. Gemeinsam mit Michael Höfling ist er für den Immobilien-Newsletter „Frage der Lage“ verantwortlich, den Sie hier abonnieren können(https://www.welt.de/newsletter/article241105337/Frage-der-Lage-Der-Immobilien-Newsletter-fuer-alle-die-sanieren-und-kaufen.html) .