Staatlich finanzierter Irrtum: Das Märchen von der Energiewende

Energiepolitik im Wandel: Entscheidungen von Gerhard Schröder, Angela Merkel und Robert Habeck prägen bis heute die deutsche Energiewende

Berlin

Ein Vierteljahrhundert Energiewende – was hat der Umbau der Versorgungmit Strom, Gas, Kohle und Benzin Deutschland gekostet, was hat sie uns im Kampfgegen den Klimawandel und unserer Wirtschaft gebracht? Um wenigerTreibhausgase auszustoßen, wollen wir Autofahren und Heizen elektrisch machen,den Strom mit Wind und Sonne erzeugen, Kohlekraftwerke abstellen, ein neuesTrassennetz bauen. Dazu raus aus der gefährlichen Atomkraft, vorübergehend neueGaskraftwerke müssen her, die in Zukunft mit Wasserstoff laufen sollen. Ein kolossales Projekt, das Deutschland jährlich Milliarden Euro kostet. Wo stehen wir?

Politische Weichenstellungen seit 2000

Rückblick: Als die Grünen 1998 unter Joschka Fischer (Vizekanzler) und Jürgen Trittin(Umweltminister) erstmals das Land mitregierten, hatten sie mit Kanzler Gerhard Schröder das Ziel in den rot-grünen Koa-Vertrag verhandelt: AUS für die Kernkraft! Voller Einstieg in Wind und Sonne! Vor 25 Jahren (am Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe) wurde die „geordnete Beendigung der Kernenergienutzung zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität“ beschlossen. Unter Kanzlerin Angela Merkel wurden die Laufzeiten zunächst verlängert und nach der Fukushima-Katastrophe erneut eingedampft. Die Kanzlerin stellte fest: „Die Risiken der Kernkraft sind nicht beherrschbar“. Folge des „Atom-Moratorium“: Schluss schon 2022 statt 2032. Die Ampel-Regierung verlängerte wegen Russlands Krieg bis Mitte April 2023.

Der aufkommende Klimaschutz setzte bald auch dem Energieträger Kohle in Deutschland engste Grenzen: 2018 setzte die GroKo unter Kanzlerin Merkel eine Kohlekommission ein. 2020 kam das Gesetz zum Ausstieg aus der Kohleförderung. Geplantes Aus: bis 2038.

Lange zuvor (März 2000) hatte Rot-Grün das Gesetz zur Förderung von Öko-Strom (EEG-Gesetz)verabschiedet. Darin zementiert: Massiver Ausbau und Förderung von Wind- und Solarkraft, Vorrang von Öko-Strom gegenüber fossiler Energie, festgelegte Einspeisevergütung für Erneuerbare – egal, ob der Strom gebraucht wird.

2019 ließ auch die EU-Kommission sich beim Wetten auf die Zukunft nicht lumpen: Bis2050 sollte Europa klimaneutral sein.

2023 langte Deutschlands Endgegner im Kampf gegen den Klimawandel zu: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) legte die Hürde noch höher. Bis 2030 – also binnen sieben Jahren – sollte Deutschlands Strommarkt zu 80 Prozent erneuerbare Energieproduzieren. Stand damals wie heute: rund 56 Prozent.

Dazu kam das Verbrenner-Verbot: Ab 2035 sollten in der EU nur noch „emissionsfreie“ Autos verkauft werden. Die Ampel wollte bis 2030 sogar mindestens 15 Millionen vollelektrische Autos auf die deutschen Straßen bringen – 2026 sind es gerade einmal zwei Millionen (4 %). Die deutsche Industrie ächzte unter den Regularien, bettelte in Brüssel um Einsicht – die EU gab die strengen Vorgaben schließlich auf. Die Bilanz von Deutschlands Energiewende zeigt: Die Rechnung geht nicht auf!

Klimaziele unter Druck

Beim Ausstoß von Treibhausgasen (CO₂) liegen wir Deutschen bis heute an der Spitze Europas. Wind und Sonne stillen zwar über 50 Prozent unseres Strom-Hungers. Doch beim gesamten Energiebedarf (Heizen, Verkehr, Wirtschaft) schaffen erneuerbare Energien gerade mal 20 Prozent heran. Wenn Wind und Sonne ausfallen (Dunkelflaute, vor allem im Winter), müssen weiterhin vor allem Kohle und Gas unseren Strom produzieren.

Die Wirtschaftsweise Prof. Veronika Grimm zu BILD: „Wir sind vorangekommen bei den Erneuerbaren, aber der Netzausbau und der Ausbau von Flexibilität halten nicht Schritt. Wir brauchen dringend für den Übergang Gaskraftwerke und die sichere Versorgung mit Gas. Wenn wir diese Transformationsphase nicht klug organisieren, dann ist auch das ganze Energiewende-Projekt in Gefahr.“

Fakt: Unser Strom ist viel zu teuer, um unsere Wirtschaft wettbewerbsfähig zu halten. Und die Kosten für die Energiewende steigen gigantisch an: Die Studie „Neue Wege für die Energiewende“ der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) warnt bis zum Jahr 2050 vor Energiesystemkosten (Netzausbau, neue Kraftwerke, Subventionen, Speicherbau) von bis zu 5400 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Das ist gut zehnmal so viel wie der Bundeshaushalt 2025 (503 Milliarden Euro). In China kostet die Kilowattstunde gerade mal 8 Cent, in den USA 16 Cent. In Deutschland: 37 Cent!

„Deutschland hat die höchsten Strompreise in Europa. Die Bundesregierung muss hier gegensteuern“, sagt Peter Adrian, Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer, zu BILD. Nach einer Umfrage seiner Kammer planen rund 60 Prozent der großen Industriebetriebe aufgrund der hohen Energiepreise, ihre Produktion einzuschränken oder ins Ausland zu verlagern. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche ist gefordert! „Drei Milliarden Euro zahlen wir im Jahr an Entschädigungen für erneuerbaren Strom, den wir wegen Überlastung der Stromnetze nicht nutzen können. Wir müssen Vorsorge treffen mit dem Zubau von Kraftwerken, die Strom auch dann liefern, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht“, so Reiche zu BILD.

Und der Strombedarf steigt: Der Verbrauch Deutschlands (aktuell gut 500 Terawattstunden) wird sich, so Experten, bis 2030 um bis zu 50 Prozent erhöhen. Bis 2037 sogar verdoppeln (1000 TWh) und im Jahr 2045 bei 1300 TWh liegen. Diesen Mehrbedarf können Sonne und Wind allein nicht stemmen.

Versorgungssicherheit bleibt Risiko

Gewiss ist: Wäre das Ziel der Energiewende bereits erreicht – frei von Gas und Öl, die Natur schenkt uns die Energie, die wir brauchen –, dann wäre Deutschland heute fein raus: Weder Kriegstreiber Putin noch die Mullahs im Iran könnten uns mit einem Energie-Embargo schocken. Doch einige Ziele der Energiewende wurden zu lange hinausgeschoben: Beim Bau der Stromnetze hinkt Deutschland der Planung weit hinterher, laut Bundesnetzagentur werden 16.800 Kilometer Stromleitung gebraucht, nur 3500 Kilometer wurden fertiggestellt (Stand Juni 2025). Folge: Wegen fehlender Stromtrassen müssen viele Kraftwerke regelmäßig ihre Leistung drosseln – ein Wahnsinn angesichts der Energieknappheit im Lande.

Hinzu kommt: Atommeiler, die Dunkelflauten bei Sonne und Wind ausgleichen könnten, sind in der Verschrottung. Und die eigenen Gasvorkommen etwa in Niedersachsen können, dank Fracking-Verbot, nicht angetastet werden.

Bilanz: Die Energiewende hat zwar Millionen Tonnen Treibhausgase eingespart, doch das einstige Versprechen von Umweltminister Jürgen Trittin wurde gebrochen: 2004 garantierte sein Sprecher, der massive Ausbau der Erneuerbaren werde einen deutschen Haushalt maximal den Wert einer Kugel Eis kosten (damals 50 Cent).

Die Rechnung für die Bürger

Doch inzwischen zahlen Stromkunden und Steuerzahler weitaus mehr für das Märchen von der Energiewende. Reiche in einem Beitrag für die FAZ: „Ja, Wind und Sonne schicken keine Rechnung. Das Gesamtsystem aber sehr wohl.“

Mit Netzausbau, Subventionen, Reservekosten summiere sich der Preis für die „Systemkosten“ der Energiewende auf 36 Milliarden Euro pro Jahr: „Das sind 430 Euro für jeden Deutschen“, so Reiche. Jahr für Jahr. Der Mensch nutzt das Feuer kontrolliert seit gut einer Million Jahre. Das beschreibt die Größe der Aufgabe, schon bald auf alle fossilen Brennstoffe UND auf Atomkraft zu verzichten.

Staatlich finanzierter Irrtum: Das Märchen von der Energiewende

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