Einen „Festtag for Future“ bejubelte der „Spiegel“, nachdem das Bundesverfassungsgericht 2021 in seinem Grundsatz-Urteil den Klimaschutz zum deutschen Staatsziel erklärte und vorschrieb(https://www.welt.de/wissenschaft/plus252061982/Fragliche-Klimathesen-zwingen-Deutschland-zum-Fundamentalumbau.html) , Deutschland müsse bis 2045 „treibhausgasneutral“ sein. Aktivisten und Umweltverbände hatten Deutschland verklagt.
Die Bundesregierung verteidigte sich nicht, auf eine mündliche Verhandlung wurde verzichtet. Seltsam sei auch, dass das Gericht nicht Klimaforscher unterschiedlicher Institute befragt habe, wunderten sich Staatsrechtler. Die Richter hätten „das fragwürdige CO₂-Budget“ des Umweltrates SRU herangezogen, ein Gremium des aktivistisch geprägten Bundesumweltministeriums, alternative Berechnungen aber ignoriert, kritisierten (https://www.welt.de/wissenschaft/plus252061982/Fragliche-Klimathesen-zwingen-Deutschland-zum-Fundamentalumbau.html) Klimaforscher.
Mehr als Parlamente haben in letzter Zeit Gerichte Entscheidungen zur Klimapolitik geprägt. Dass es dabei nicht neutral zugehen muss, unterstreicht auch ein aktueller Fall aus den USA. Das Bundes-Judizialzentrum (FJC) und die Nationale Wissenschaftsakademie (NASEM) veröffentlichten Ende 2025 den Leitfaden „Reference Manual on Scientific Evidence“, der Richtern helfen soll, wissenschaftliche Evidenz zu verstehen.
Unmittelbar nach Erscheinen erhoben konservative Justizminister einzelner Bundesstaaten Einspruch gegen das Klimawandel-Kapitel. Sie warfen dem Kapitel Parteilichkeit und „methodische Fehler“ vor und monierten, die Autoren würden als Aktivisten der Klimabewegung gelten. Das FJC reagierte: Es entfernte das Klimakapitel aus der Online-Ausgabe.
Jessica Weinkle, Politikwissenschaftlerin an der University of North CarolinaWilmington, stütztdieKritik: Das Kapitel stamme nicht von neutralen Autoren, sondern von Personen, diesie der „aktivistisch-akademischen Community“ zurechnet, die Klimaklagenvorantreibt. Weinkle spricht von einem „offensichtlichen Interessenkonflikt“.
Auch das Kapitel „How Science Works“ vermittle ein falsches Wissenschaftsbild, es stärke die Autorität von Konsensberichten zulasten politischer und rechtlicher Abwägung. Der Inhalt deute darauf hin, dass die Wissenschaftsakademie unter Einfluss seiner philanthropischen Geldgeber stünde.
Zweifelhafte Methodik
Roger Pielke, Umweltforscher an der Denkfabrik American Enterprise Institute, hält die Auswahl der Kapitelautoren ebenfalls für problematisch, weil die mit dem Sabin Center verbunden sind, das an rechtlichen Strategien gegen den Klimawandel arbeitet und von der finanzkräftigen Klimaschutz-Stiftung ClimateWorks finanziert wird.
Die Autoren wiesen die Anschuldigung zurück: Der Ausschluss ihres Kapitels schaffe genau das Problem, welches das Handbuch lösen sollte: Richter hätten nun weniger Orientierung in komplizierten Klima-Verfahren. Auch andere Wissenschaftler protestierten.
Doch Pielke wirft dem Kapitel vor, die Methode der Attribution aufzuwerten, die gestützt auf Computersimulationen Wetterereignisse dem Klimawandel zuordnet. Es ist ein politisiertes Feld mit zweifelhafter Methodik(https://www.welt.de/wissenschaft/plus255276920/Los-Angeles-Das-dubiose-Klimawandel-Argument.html) . Attributionsforscher wollen ausdrücklich Klimaklagen Vorschub leisten.
Risiko betonen
Der schwerreiche Bezos Earth Fund und andere Klimastiftungen finanzieren „WorldWeather Attribution“, die führende Organisation für Attributionsprodukte für Rechtsstreitigkeiten, die sich nach Wetterkatastrophen beeilt, einen Zusammenhang mit dem Klimawandel herzustellen.
Auch das Grantham Research Institute (GRI) in London erhält Mittel vom Bezos Earth Fund und ClimateWorks. Es will zeigen, wie Klimaklagen Vermögenswerte von Unternehmen senken, sodass Geschäfte mit Öl und Gas riskanter werden.
Mehr als 3000 Klimaklagen weltweit übertragen Gerichten die Aufgabe, Entscheidungen zum Klimaschutz herbeizuführen – was nach Meinung von Kritikern eigentlich Parlamente und Regierungen tun müssten; wirtschaftliche Folgen können gravierend sein.
Zur Klimaklage gegen Shell in den Niederlanden durch den Umweltverband Milieudefensie haben als Unterstützer der NGO ebenfalls Großstiftungen beigetragen (https://www.welt.de/debatte/kommentare/plus254480634/Das-Endevon-der-Verdammung-der-Erdoel-Konzerne.html) , allen voran die Waverley Street Foundation, die Hartwig Foundation und die European Climate Foundation.
Besonderes Aufsehen in Europa erregte die Klage der Schweizer „Klimaseniorinnen“, die auf Unterstützung von Greenpeace bauten. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verdonnerte(https://www.welt.de/politik/ausland/article250939394/Gerichtshof-in-Strassburg-Richtungsweisendes-Urteil-gegen-die-Schweiz-wegen-mangelnden-Klimaschutzes.html) die Schweiz zu strikterem Klimaschutz. Jeder habe das Recht, vom Staat vor schädlichen Folgen des Klimawandels geschützt zu werden.
Und als der damals 15-jährige Mica Kantor im Jahr 2023 als einer von 16 jugendlichen Klägern gegen den US-Bundesstaat Montana klagte, standen ihm die Stiftungen Our Children’s Trust, das Western Environmental Law Center und McGarvey Law zur Seite. Mica Kantor sagte aus, dass Rauch von Waldbränden ihm sportliche Wettkämpfe und das Atmen erschwerten.
Er wollte Montanas „fossilfreundliche Politik“ einschränken – und gewann :Dem Staat Montana wurde untersagt, in Umweltprüfungen die Berücksichtigung von Treibhausgasemissionen und Klimafolgen gesetzlich auszuschließen. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete das Urteil als „steuerfinanzierten Publicity-Stunt“.