Wenn der See die Heizung wärmt…

Wenn der See die Heizung wärmt

Nach meiner Ausbildung war ich einige Zeit am Wörth- und Ammersee tätig, ich habe also durchaus gute Kenntnis der dortigen Infrastruktur. Allein schon deshalb habe ich den Artikel mit hohem Interesse gelesen.

Wie in meiner Heimatstadt Freilassing auch, forcieren interessierte Ingenieurbüros eine Technik, die nur einigen wenigen Vorteile bringen. Diese sind die Planer und zum Schluss dann die Betreiber. Sehr oft gibt es bei den beteiligten Firmen Querverbindungen.

Interessant sind im Artikel mehrere Aussagen.

  1. 100 bis 200 GWh Erzeugung für 20.000 bis 35.000 sanierte Einfamilienhäuser. Nehmen wir die 200 GWh so entspricht dies 200.000.000 kWh, oder für den nicht Fachmann ca. 20.000.000 l Heizöl oder cbm Erdgas. Teilte man diese Zahl gegen die angeblich möglichen 35.000 sanierten Einfamilienhäuser so käme man auf einen mittleren Verbrauch von +- 570 l Heizöl oder cbm Erdgas.
  2. DUH hat eine Fernwärme-Verteilleitung in der Siedlung gerichtsfest einen Jahresverlust pro lfd. Meter von +- 21 l Heizöl/a. Sprich, +- 27 m dieser Leitung haben denselben Verlust an Wärme, welchen diese sanierten Einfamilienhäuser lt. Bericht selbst an Wärmeenergie überhaupt brauchen. Dies dürfte in etwa der Entfernung zwischen jeweils zwei EFH entsprechen. Eine geniale Rechnung.
  3. Was kostet es, ein Einfamilienhaus vor der Umstellung auf „See-Wärme“ entsprechend energetisch zu sanieren? Man sollte dabei mit mindestens 1.200 € pro m² rechnen. Ein EFH mit 150 m² erfordert dann ein Voraus-Investment von mindestens 180.000 €. Wurde das erledigt, reicht auch die eigene PV mit Wärmepumpe. Zehntausende Euro für die Anschlusskosten kommen noch dazu.
  4. Dazu kommt dann, dass über dutzende von Kilometern ein Fernwärmenetz unter kompletten Aufriss sämtlicher betroffener Straßen, aufgebaut werden muss. Westlich des Ammersees von Inning bis Dießen wären es bei gerader Linie ca. 16 km Hauptverteilleitung zu einem Preis von wohl 12.000 € pro Meter, dazu kommen dann dutzende Kilometer Verteilleitung in den Wohnsiedlungen zu einem Preis von 3.000 bis 5.000 € pro Meter.
  5. Wie immer, wenn es um den Profit geht, haben die Fische in den Seen natürlich „nichts zu befürchten“, die grundeln aus Temperaturgründen im Winter ohnehin in der grundnahen, wärmeren Schicht des Wassers, da ist es dann egal ob ihre gewohnte Umgebung dann mal schnell von Menschenhand drei Grad kälter gemacht wird.

Fazit: Wie auch in meiner Heimatstadt Freilassing, wo völlig humorbefreit allein für die Erstellung von Wärmenetzen 140.000.000 €, noch ohne Wärmequelle zu rechnen sind, fragt man sich schlicht, welche Interessen stehen hinter solchen Abhängigkeiten, die hier über Jahrzehnte geschaffen werden sollen?

Die Frage ist dann nur noch nach dem Unterschied zwischen einem Drogen-Junkie und einem See-Fernwärme-Abhängigen? Der Drogen-Junkie kann jederzeit entweder seiner Sucht entsagen, die Droge oder den Dealer und damit den Preis wechseln. All das kann ein Fernwärmeabhängiger nie mehr.

Derartige Vorhaben sind für den Bürger, der sich dafür hergeben soll, der ökologisch-ökonomische Super-GAU.

Wenn der See die Heizung wärmt…

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