Spanien und Portugal machen es vor…

Dieses Modell könnte den deutschen Strom massiv verbilligen

Aufgrund des Iran-Kriegs bleiben die Gaspreise hoch und verteuern unsere gesamten Strompreise. Das könnte geändert werden durch gezielte Maßnahmen, die in der deutschen Energiepolitik jedoch keinen Anklang finden.

Berlin – Der Preis für Strom richtet sich auch in Deutschland nach der teuersten Energiequelle, und das ist aktuell Gas. Die Verdoppelung der Gaspreise durch den Iran-Krieg lässt auch den Strom aus anderen Quellen steigen, obwohl dort keine höheren Kosten bei der Erzeugung anfallen. Das liegt am sogenannten Merit-Order-Prinzip, nach dem sich der Strompreis an der Strombörse immer an der teuersten Quelle ausrichtet, um die gesamte Stromversorgung zu gewährleisten –und das ist oft eben Gas. Das müsste jedoch nicht so sein. Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität Köln (EWI) und das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zeigen Wege auf, wie sich die Strompreise im Jahr um bis zu 7 Milliarden Euro senken ließen.

Das iberische Modell zeigt, wie sich Strompreise dauerhaft senken lassen

Wie das IMK aufzeigt, ließe sich der Strompreis deutlich senken, wenn man statt des aktuellen Gaspreises einen politisch festgelegten Referenzpreis ansetzen würde, so wie es in Spanien und Portugal seit 2022 gemacht wird. Dieser reduzierte Gaspreis senkt dann die gesamten Stromkosten. Den Betreibern der Gaswerke wird für den günstigeren Gaspreis dann durch eine Umlage ein Ausgleich geschaffen. Wenn so ein kleiner Teil der Stromerzeugung subventioniert wird, sinken die Kosten für die gesamten Strompreise spürbar.

Wie das Handelsblatt berichtete, ergaben die Simulationen des IMK, dass sich so eine Reduzierung des Strompreises in diesem Jahr um 17 Euro pro Megawattstunde erreichen ließe. Nach den Berechnungen des IMK könnten so im Jahr netto bis zu 7,3 Milliarden Euro an Stromkosten reduziert werden. Je größer der Anteil an erneuerbaren Energien dabei ist, desto günstiger wird das Modell. Damit das Modell sinnvoll funktionieren kann, plädieren die Forscher dafür, es europaweit einzuführen. Dadurch wäre gewährleistet, dass Länder ohne subventionierten Gaspreis in Nachbarländern mit günstigem Gas ihren Bedarf decken würden.

Auch der Einsatz von Steinkohlekraftwerken im Winter könnte der Strompreise senken

Das EMI verfolgt einen anderen Ansatz zur Strompreissenkung. Hier geht es darum, gerade in den kalten Wintermonaten die Reserve der Steinkohlekraftwerke wieder zu aktivieren für die Phasen der Angebotsknappheit. Laut EMI könnten dadurch in den kommenden beiden Wintern drei bis vier Euro Stromkosten pro Megawattstunde eingespart werden. Durch diese Maßnahme ließen sich in einem Dreijahreszeitraum die Stromkosten um bis zu 3,2 Milliarden Euro senken. Außerdem müsste dadurch auch deutlich weniger teures Gas verstromt werden. Die Maßnahme hat jedoch auch ihren Preis, in Form von höheren CO2-Emissionen.

Die deutsche Politik zeigt sich jedoch zögerlich bei Maßnahmen zur Strompreisreduzierung, obwohl auch im Koalitionsvertrag schon der Einsatz von Reservekraftwerken zur Strompreisstabilisierung als Maßnahme festgehalten wurde. Wie das Wirtschaftsministerium vor einiger Zeit bereits bekannt gab, sei dabei „eine Reihe fachlicher, ökonomischer und europarechtlicher Rahmenbedingungen zu berücksichtigen“. (Handelsblatt, EMI, Golem) (sts)

Spanien und Portugal machen es vor…

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