Nonner Rampe - BN fordert Schlussstrich
"Soweit wie noch nie"
Wasserkraftwerk um jeden Preis - Leserbrief zum Thema "So weit wie noch nie"
Leserbrief - ungekürzter Text:
"So weit wie noch nie"
Von Freilassing aus, die Saalach entlang, komme ich per Rad regelmäßig auch an der Nonner Rampe vorbei. Betrachtet man die Auswüchse der unter Aufwand einer irrsinnigen Summe an Euro gründlich gescheiterten Energiewende, fragt man sich angesichts einer Saalach welche meistens mehr einem stehenden Gewässer als einem Gebirgsfluss gleicht, was die Entscheidungsträger reitet, hier ein Wasserkraftwerk bauen zu wollen. Und das um jeden Preis.
Wird das erwartete "Waterloo" dann über die Grundgebühren der Fernwärme abgerechnet? Bad Reichenhall will wohl offensichtlich europaweit die goldene Zitrone in der Hitliste der unsinnigsten "Wasserkraftwerke" abräumen.
"So weit wie noch nie" sei die Stadt Bad Reichenhall also mit dem Vorhaben. So meint dies der Jurist an der Stadtspitze. Wie in Deutschland mittlerweile üblich, dauert es bisher bereits mehr als zehn Jahre, dieses vollkommen unnötige wie unwirtschaftliche Projekt, gegründet auf nicht mehr aktuellen Zahlen, endgültig auf dem Müllhaufen der Stadtgeschichte zu entsorgen. Die Stadtwerke als Kommunalunternehmen sind lt. Berichterstattung am Bau und der Nutzung des Kraftwerks offensichtlich direkt beteiligt. Insofern ist es schon praktisch, wenn man sich als Stadt die Genehmigung für das stadteigene Kommunalunternehmen fast schon selbst erteilen kann. Satire aus.
Der Jurist an der Stadtspitze sagt zur Effizienz des Kraftwerks, die alten Zahlen seien egal. Es wäre eine andere Turbinenart gewählt worden. Ganz neu ist für mich dabei, dass es Turbinen für die Wasserkraft gibt, die mit Blick auf die Saalach praktisch ohne Wasser laufen und trotzdem Strom für 2000 Haushalte als Grundlast produzieren. Welch ein Märchen ist das denn? Des weiteren wäre die Frage der Effizienz. lt. dem Juristen, ausschließlich eine Frage der Bauherren. Zitat: "Das ist ein Bauherrenthema für Landeskraftwerke und Stadtwerke. Die werden nicht sehenden Auges in ein Minus-Geschäft reinlaufen." Die Stadt Bad Reichenhall ist über ihr Kommunalunternehmen am Projekt beteiligt, und der Oberbürgermeister sagt ganz kalt, nicht meine Veranstaltung? Bei soviel Chuzpe kommt einem fast schon Ludwig Thoma's Zitat bezüglich Juristen aus dem dem Werk "Der Vertrag", bezogen auf den königlichen Landgerichtsrat Alois Eschenberger in den Sinn. Uralt. Geändert hat sich nichts.
Laut Stadtrat Mägerle soll es auch noch etwas Bürgerbeteiligung geben. Der Jurist an der Stadtspitze meinte, dass diese Bürgerbeteiligung nicht "ad acta" gelegt sei und möglicherweise noch kommen würde, "wenn wir ein genehmigtes Projekt in der Tasche haben". Selten so gelacht.
Die Bad Reichenhaller haben ja genug Erfahrung mit Bürgerbeteiligung. Siehe Sportbad. Sie sollten es wieder einmal probieren. Professionell aufgestellt, Gut organisiert, und wenn ein mögliches Bürgerbegehren erfolgreich absolviert ist sollte man auch jedem einzelnen Stadtrat vor weiteren Entscheidungen sehr nachdrücklich sagen, von wem er gewählt wurde und wo er bei der nächsten Wahl stehen wird.
Unabhängig davon bleibt die Hoffnung, dass der Bund Naturschutz alles, aber wirklich auch alles an juristischem Gewicht einbringen wird, um diesen Unsinn zu stoppen. Wolfgang Wagner
Helfen beim Machen nicht beim Ablehnen
Kommentar zum Leserbrief von Robert Schulz - Bad Reichenhall
Herr Schulz liegt falsch. Die von ihm angesprochenen Naturschützer wissen genau wo der Strom herkommt. Mitnichten aus der Steckdose. Bis er da hin kommt, der liebe Strom, braucht es allerdings zuverlässige "Erzeuger". Weder Windkraft noch PV und auch nicht die Saalach gehören in diese Liga. Mal produzieren sie, bei Flaute, Dunkelheit und niedrigem Wasserstand, welcher bei der Saalach wohl als Standard anzunehmen ist, wohl eher nicht.
Was Investitionsruinen sind welche mittelfristig dann leer und unbenutzt da stehen, sieht man im Nonner Unterland am ehemaligen Hotel Fuchs oder in der Stadt am Axelmannstein. Da sind bekanntermaßen ausgewiesene "Macher" am Werk gewesen.
Herr Schulz' Text lässt eher vermuten, dass der Anlass seines Leserbriefes nicht ausgewiesene Kenntnisse im Energiebereich sind. Denn hätte er diese, hätte er diesen Leserbrief nicht geschrieben, sondern die Petition unterschrieben.
Andererseits kann man es ja auch sehen, wie es der Jurist an der Stadtspitze wohl auch sieht. Mit dem Konzept, dem eigenen Bürger nicht nur den "stadteigenen" Strom sondern auch die "stadteigene" Wärme zu verkaufen erinnert irgendwie an.....ja genau, unauflösbare Abhängigkeiten auf deren Basis es tatsächlich völlig egal ist ob ich zum Einen eine x-Millionen-teure Wasserkraft baue nur weil ich als kommunales Unternehmen das nicht abrechne wie ein normaler Wirtschaftsbetrieb, analog zur Fernwärme.
Wenn sich der Verkauf von Strom und Wärme a) mangels Erzeugung und b) wegen zu geringer Abnahme bei exorbitant hohen Verlusten hinaus nach Nonn nicht rechnet, kassiert man die Kosten halt mit steigenden Grundgebühren ab. Bezahlt wird immer. Vom Bürger.
Auch an Herrn Schulz die Frage - kennen Sie den Unterschied zwischen einem Fernwärme- und Strom-Abhängigen und einem Heroin-Junkie? Ganz einfach, der Heroin-Junkie kann jederzeit seinen Dealer wechseln.