Preisschock beim FW-Anschluss

Preisschock beim Fernwärmeanschluss

Nur die wenigsten Fernwärmeversorger nennen ihre ehrlichen Preise. Aufgrund der langlaufenden Verträge, basierend auf einer absolut marktfeindlichen Monopolstellung, werden sehr oft große Teile der Anschlusskosten über die Grundgebühren refinanziert. Es ist ein sicheres Geschäft für die Versorger, weil absolut gesetzlich abgedeckt und selbst für Fachleute oft sehr schwer durchschaubar in ihren Preisgleitklauseln u.a., z.B. versteht wohl keiner, was der Gaspreis-Index, und dann auch noch der teuerste, zur Wärmepreisberechnung bei Biomasse-Fernwärmeanlagen herangezogen wird.

Würden Sie einen Handy-Vertrag oder einen Strom-Liefervertrag über länger als ein Jahr abschließen?

Nein. Zumindest kein vernünftig denkender Mensch.

Offenbach - eno-Preisschock bei fernwärmeanschluss

Wie oben bereits geschrieben, fällt man bei der Recherche absolut selten über die realen Kosten eines Anschlusses an ein bereits bestehendes Fernwärmenetz. 

Die Wärmeversorgung in Offenbach soll künftig zu 70 Prozent durch Fernwärme abgedeckt werden. Als Bremse könnten sich die Kosten für Hausanschlüsse erweisen.

Am 26.02.2024 gab es auf op-online hierzu einen vielsagenden Bericht:

Offenbach – Wie die Kosten für einen Hausanschluss einen grundsätzlich der Fernwärme zugeneigten Hausbesitzer abschrecken, zeigen Beispiele: Bei Andreas V., Immobilieneigner am Nordring, ruft der zuständige EVO-Ableger Energienetze Offenbach (ENO) für vier Meter Anschluss (Anschlusswert 50 kW) von der bereits in der Straße liegenden Fernwärmeleitung bis zum Haus 27 .000 Euro auf. Die Kosten für die Übergabestation sind da noch nicht eingerechnet.

Fernwärme in Offenbach: Antwort der Bürgermeisterin zu hohen Anschlusskosten steht noch aus

Gleiches Muster, noch höhere Rechnung bei einem von Senioren bewohnten Zweifamilienhaus an der Schubertstraße: 13,45 Meter bis zum Haus, 41.000 Euro. Plus 21 .000 Euro für die Übergabestation, plus fast schon vernachlässigbare Kosten von 3000 Euro für ein Gutachten, das dem Boden Bombenfreiheit bescheinigt.

Der Fairness halber sei hinzugefügt, dass in jedem Fall staatliche Förderung fließt: So kann Andreas V. laut ENO nach Inbetriebnahme seines Anschlusses mit etwa 9000 Euro Zuschuss rechnen, was seine Kosten auf 18. 000 Euro reduzieren würde.

Die Rentner an der Schubertstraße, die seit einem Jahr mit der ENO im Kosten-Clinch liegen, haben für ihre Übergabestation einen Förderbescheid über 7400 Euro in Aussicht, unterm Strich bleiben damit 13.600 Euro für die Station an ihnen hängen. Ihr 41.000 Euro teurer Anschluss, das wurde ihnen von der ENO mündlich mitgeteilt, könne mit bis zu 30 Prozent bezuschusst werden.

Ungeachtet der nicht sicheren Fördersumme halten die Betroffenen die aufgerufenen Kosten für viel zu hoch. Die Senioren haben sich deshalb in einem Schreiben an die zuständige grüne Dezernentin Sabine Groß gewandt. Sie wollen unter anderem wissen, wie sich diese Preise mit der städtischen Strategie zur Wärmewende vertragen. Eine Antwort der Bürgermeisterin steht bislang aus.

Stadt in Bayern zeigt, dass es bei Fernwärme auch viel billiger geht

Dabei geht alles offenbar billiger, viel billiger. Ein Anruf bei den Stadtwerken der etwa 112 .000 Einwohner zählenden bayerischen Stadt Erlangen, die im Internet als vergleichsweise günstiger Anbieter genannt werden: „27 .000 Euro für vier Meter – ein Wahnsinn“, sagt der für Fernwärmeanschlüsse zuständige Mann im Mittelfränkischen. In Erlangen sei so etwas im teuersten Fall für etwa 10. 000 Euro zu haben. Der Experte rechnet vor: Für die
Tiefbauarbeiten sind 600 Euro pro laufendem Meter zu veranschlagen, hinzu kommen Materialkosten, die bei Fernwärmeleitungen höher liegen als bei anderen Versorgungsleitungen, sowie die Verlegung.

Die Rechnung der Erlanger könne er nicht nachvollziehen, sagt EVO-Sprecher Harald Hofmann. Zugleich betont er, der größte Kostenblock bei den  Hausanschlüssen der ENO seien die extern vergebenen Tiefbauarbeiten, die mehr als 90 Prozent der Kosten ausmachten. Im Fall des Hausbesitzers im Nordring seien das etwa 24 .000 Euro, wobei dort besonders viele weitere Leitungen auf den vier Metern die Sache zusätzlich verkompliziert hätten.

Hofmann versichert: „Die Tiefbaukosten geben wir direkt weiter, wir schlagen da nichts drauf.“ Die Arbeiten würden nach Ausschreibung an regionale Unternehmen vergeben, mit denen man Jahresverträge schließe. Dass Hauseigentümer die Tiefbauarbeiten selbst beauftragen, wie es Andreas V. vorschlägt, sei aus rechtlichen Gründen nicht möglich.

Kommentar:

Gibt man am heutigen Tag den Suchbegriff „erlangen fernwärme anschlusskosten“ ein, bekommt man seltsamerweise den Preis von bis zu 20.000 Euro genannt. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass noch mit „…eventuellen zusätzlichen Kosten für Tiefbauarbeiten und Oberflächenwiederherstellung…“ zu rechnen sei…

Kosten bei Fernwärme-Anschlüssen „alles in allem sehr intransparent“

Zugleich räumt der Sprecher ein, dass für viele Hauseigentümer die Kosten eines Fernwärmeanschlusses zunächst ein Schock seien.
„Wir versuchen, mittel- und langfristig die Kosten durch Einkaufsvorteile zu senken“, blickt Hofmann voraus.

Wie die Senioren aus der Schubertstraße berichten, kann aber offenbar auch noch an anderen Kostenschrauben gedreht werden. So habe ein Nachbar von ihnen im vergangenen Jahr nach Verhandlungen mit der ENO den Preis um die Hälfte reduzieren können. Und vor Jahren seien Fernwärme-Hausanschlüsse sogar kostenlos verlegt worden. „Alles in allem sind das sehr intransparente Regelungen“, finden die Betroffenen aus der Schubertstraße.

Und was sagt Offenbachs grüne Klimadezernentin Sabine Groß zu einer EVO-Preispolitik, die der städtischen Wärmestrategie zuwiderläuft? Das Thema sei eingebettet in die kommunale Wärmplanung, gemeinsam mit der EVO werde derzeit daran gearbeitet, Strukturen zu schaffen, welche die Kosten senken könnten, deutet Groß etwa die Bündelung von Aufträgen zu Fernwärme-Anschlüssen an. Näheres dazu werde bei einer Pressekonferenz Mitte März zu erfahren sein. (Matthias Dahmer)

Auch, um den Ausbau der Fernwärme zu stemmen, will der Offenbacher Energieversorger EVO sein Werk an der Dietzenbacher Straße expandieren.

Preisschock beim FW-Anschluss

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